• RA Max Simon

Die Berufsunfähigkeitsversicherung will nicht zahlen. Was tun?

Was sind die häufigsten Gründe für eine Leistungsablehnung? Was kann man als Betroffener tun?



Der schlimmste Fall ist eingetreten: Man ist berufsunfähig geworden und weiß nicht mehr weiter. Für Betroffene birgt dies viele Unsicherheit und Ängste. Auch in finanzieller Hinsicht kann eine drohende oder bereits eingetretene Berufsunfähigkeit sehr bedrohlich sein.


Für diesen Fall schließen viele Menschen eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ab. So sollen die finanziellen Verluste durch die fehlende Arbeitsfähigkeit zumindest teilweise aufgefangen werden. Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung dann nicht zahlen will, ist dies für die Betroffenen oft ein großer Schock.


Doch warum verweigern Berufsunfähigkeitsversicherung in manchen Fällen die Versicherungsleistung? Was sind die häufigsten Streitpunkte?


Jedenfalls in meiner täglichen Praxis dreht sich der Streit zwischen Versicherungen und Versicherten fast immer um zwei Punkte:


1.

Die Versicherung wirft dem Versicherungsnehmer vor, er habe bei Beantragung der Berufsunfähigkeitsversicherung Gesundheitsfragen falsch beantwortet und tritt deswegen vom Vertrag zurück oder erklärt gar die Anfechtung des Vertrages wegen arglistiger Täuschung. Der Vorwurf lautet also, dass der Versicherte seine vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt habe.


2.

Der Eintritt der Berufsunfähigkeit selbst wird vom Versicherer bestritten. D.h. der Versicherer trägt vor, es läge gar keine Berufsunfähigkeit im Sinne der Versicherungsbedingungen vor. Dies spielt in den letzten Jahren eine immer größere Rolle, da psychische Erkrankungen, etwa eine Depression, oder Erschöpfungssyndrome wie das berühmte Burnout oder das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) auf dem Vormarsch sind. All diese Erkrankungen sind äußerlich nicht wahrnehmbar. Gleichzeitig nimmt deren Häufigkeit stetig zu und sie spielen allesamt beim Thema Berufsunfähigkeit eine immer größere Rolle.


Was kann man als Betroffener tun?


Selbstverständlich sollte man eine Leistungsablehnung nicht einfach hinnehmen, sondern durch einen erfahrenen Rechtsanwalt, der auf das Versicherungsrecht spezialisiert ist, prüfen lassen. Natürlich gibt es Fälle, in denen eine Leistungsablehnung nicht angreifbar ist. In der Praxis ist es jedoch häufig so, dass Versicherungen vorschnell ablehnen. Außerdem gibt es auch formale Anforderungen, die eine Versicherung zu beachten hat. Werden diese nicht eingehalten, kann ein erklärter Rücktritt und/oder eine erklärte Anfechtung unwirksam sein. In der Folge muss die Versicherung zahlen. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt. Oftmals müssen die Ansprüche gerichtlich geltend gemacht werden. Das kann sich einige Zeit, mitunter sogar einige Jahre, hinziehen. Allerdings muss die Versicherung dann in aller Regel rückwirkend alle Versicherungsleistungen zahlen. Nicht selten können so hohe Nachzahlungen erstritten werden.



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© 2018 Rechtsanwalt Max L. Simon

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